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Die Christianisierung im Frühmittelalter

Christianisierung im Frühmittelalter

Die Christianisierung war ein langer Prozess, der in der Zeit zwischen dem Dritten und zwölften Jahrhundert stattfand. Im 4.Jahrhundert wurde das Christentum zur Staatsreligion des Römischen Reiches erhoben, kurz vor seinem Untergang. Dies war der Beginn der Christianisierung ganz Europas, die nach Deutschland von Irland aus durch Missionare, aber auch später von den Länderfürsten „offiziell“ vorangetrieben wurde. Da die meisten Germanen nichts gegen die neue Religion hatten, verliefen die Missionierungen teilweise friedlich, teilweise aber unter erheblichem Zwang und Gewalt. Der Begriff Heiden entstand und galt den ungläubigen Germanen, die nicht an den einen Gott der Christentums, Judentums und späteren Islams glaubten.

Die brutale und erzwungene Bekehrung zum Christentum eines ganzen Volkes erreichte im Jahr 772 nach Christus ihren symbolischen Höhepunkt, als der fränkische Kaiser Karl der Große 30000 Sachsen, die die Bekehrung ablehnten, massakrieren. Mit diesem Völkermord ließ er die Irminsul, die heilige Säule, die den Germanischen Weltenbaum Yggdrasil repräsentierte, fällen (Quelle: „Der Brunnen der Erinnerung“ von Ralph Metzner).

Obwohl die Germanen das Christentum früher oder später, wie gesagt war dies in Europa ein Jahrhunderte langer Prozess, freiwillig oder unfreiwillig anerkannten, änderte sich ihre Haltung zu ihren ursprünglichen Göttern nicht, und so feierten sie nach wie vor Ihre Kulte auf den Heiligen Hainen, Lichtungen, herausragenden Felsen oder anderen herausragenden Orten und Plätzen draußen in der Natur. Die Germanen lehnten es ab, ihre Götter in geschlossenen Gebäuden zu ehren, da sie extrem naturverbunden waren. Den christlichen Geistlichen gefielen diese weiterhin betriebenen germanischen Kulte und Rituale natürlich gar nicht, und so setzten sie auf die Heiligen Plätze der Germanen Kirchen und Kapellen. Germanische Feste wurden in christliche umbenannt, ebenso wie Heilige der Germanen. Viele „heidnische“ Orte, wie zum Beispiel Hünengräber in Norddeutschland oder prägnante Steine, auf denen die Germanen Zeremonien und Rituale feierte, versahen die Christen zu Zwecken der Abschreckung mit unheimlichen Namen (Teufelssteine, Teufelstisch etc.). Diese Namen tragen solche Steine und Gräber noch heute.

Die Germanen waren lebenslustige und naturverbundene Menschen

Das Leben der Germanen änderte sich durch die Christianisierung schlagartig. Verbote, Regeln und Dogmen der Christen ersetzten die einstige Lebenslust der germanischen Völker. Engstirniges Schwarz-Weiss-Denken der Kirche löste den Geist der Verspieltheit spiritueller naturverbundener Germanen ab. Die Germanen huldigten die Lebensenergien der Natur und sahen darin einen erheblichen Teil ihrer eigenen Spiritualität, während das Christentum im Gegensatz dazu eine Abspaltung der natürlichen spirituellen Energien vom Glauben vorantrieben. Gott und Mensch wurden getrennt, der Mensch war eher das Opfer der Lebensumstände und sollte an Gott beten, damit er ihm gnädig stimmt. Die Germanen glaubten an Naturgeister wie Elfen, Zwerge und Kobolde sowie an Riesen, die für sie so etwas wie die Naturgewalt in Form von Donner, Stürmen oder Unwettern darstellten.

Die germanischen Völker hatten Lust und Freude am Leben und feierten viele Feste, von denen auch einige sexuell-orientierter Natur waren, wie in der Walpurgisnacht von 30.April auf den 1.Mai, in der das Fruchtbarkeitsfest Beltane gefeiert wurde. Die zahlreichen Feste, die am 1.Mai bei den Germanen gefeiert wurden und auch heute noch in einigen Regionen im deutschsprachigem Raum stattfinden (Tanz in den Mai, Maibaum, Maitanz, Maikönigin, Frühlingsfeste, Freudenfeuer), waren damals durchaus mit eindeutigen sexuellen Gelüsten, Riten und Trieben verbunden. Enger körperlicher Kontakt beim Tanz und sexuelle Handlungen zweier Verliebten nächtens auf Äckern und Wiesen waren nicht unüblich bei den Germanen und auch keineswegs verboten oder etwa moralisch verwerflich. Daher verwundert es kaum, dass dieses „unsittliche Verhalten“ im Sinne der frommen katholischen Kirche im Mittelalter ein Dorn im Auge war.

Heidnisches Feuer
Bild: By Nifoto (Own work Nifoto) [Public domain], via Wikimedia Commons

Tanz, Belustigung und Lebensfreude der damaligen heidnischen Landbevölkerung wurden ein jähes Ende gesetzt, in dem wie am Beispiel der Walburgisnacht am 30.April die christliche Missionarin Walburga ausgerechnet am 1. Mai heiliggesprochen wurde und man auch namentlich der „unsittlichen“ Nacht vom 30.April auf den 1.Mai den offiziellen christlichen Stempel aufdrückte. Wie eingangs erwähnt war dieses Umbenennen von Festen und Namen ein beliebtes Mittel der Kirche, um die tief verwurzelten “heidnischen” Feste aus den Köpfen der überwiegend einfachen Landbevölkerung zu verdrängen. Ostern, Weihnachten, Pfingsten etc. waren ursprünglich ebenfalls germanische Feste.

Das Feiern, Tanzen und Lieben wurden von den Kirchenobersten aufs Schlimmste verteufelt und strengstens verboten. Ganz gelungen ist ihnen das nicht, spricht man immer noch vom „Heidenspaß“ oder „Hexentanz“, der auch und gerade am 1.Mai in einigen Regionen heute noch dargeboten wird.

Religion als Kriegsgrund in der heutigen Zeit

Dies nach Jahrhunderten der Katholischen Kirche vorzuwerfen, wäre aber heute nicht zielführend. Eine Entschuldigung der Katholischen Kirche wäre heutzutage aber mehr als angebracht, gerade was die Hexenverfolgung betrifft. Es lag und liegt leider auch noch heute anscheinend in der Natur der Menschen, oder einiger weniger Menschen, andere unter zahlreichen Vorwänden zu bekehren. Die Gründe sind so vielfältig wie bizarr. Religion war immer ein sehr geeigneter Grund für die Machthaber, um Kriege anzuzetteln. Wenn man nur genügend Angst in der Bevölkerung geschürt hatte, war es ein Leichtes, Vertreibungen und Tötungen zu rechtfertigen. Macht auszuüben, um die Masse zu unterwerfen, geschieht auch heute noch mit dem Schüren von Ängsten. Angst vor Islamisierung, Angst vor Terroranschlägen, Angst vor zu wenig Sicherheit, Angst vor Armut etc. Heutzutage sind es die vielen negativen Fernseh- und Internetnachrichten, die gezielt gestreut werden, welche der Konsument machtlos über sich ergehen und zu einer Art Sklave werden lässt. Wenn Menschen sich gegeneinander aufhetzen lassen, entsteht der Nährboden für die Rechtfertigung von Krieg. Die moralischen Auseinandersetzungen, die uns präsentiert werden, man denke da beispielsweise an die angebliche Islamisierung des Abendlandes oder den Konflikt des Westens mit Russland um die Ukraine, sollten hier nicht unerwähnt bleiben.

Durch Kriege, Eroberungen und ethnische sowie religiöse Zwangsbekehrungen wird immer ein Teil der jeweiligen Volks- und Kulturidentität zerstört. Die Amerikanisierung nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland ist da ein sehr harmloses Beispiel. Die zahlreichen Völkermorde hingegen, wie sie an den indigenen indianischen Stämmen in Nordamerika oder Australien verübt wurden, sind ein grausames Kapitel der zerstörerischen Kraft des Menschen. So oft in der Geschichte der Menschheit wurden dabei nicht nur ganze Völker fast ausgerottet, sondern auch einzigartige und äußerst wichtige Vermächtnisse der alten Kulturen mutwillig zerstört.

Beitragsbild: „Canyon of the Little Christians“ by Original uploader was Mdhennessey at en.wikipedia – Transferred from en.wikipedia; transferred to Commons by User:PaterMcFly using CommonsHelper.. Licensed under Public Domain via Wikimedia Commons


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