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Die Schäferkapelle in Franken: Erhaltene heidnische Kultstätte

Schäferkapelle in Rasch bei Altdorf

Die Schäferkapelle gehört wohl zu den ganz wenigen baulich erhaltenen heidnischen Kultstätten aus germanischer Zeit in Deutschland. Ihr Ursprung wird auf die Zeit der Christianisierung im südlichen Franken im 8.Jahrhundert vermutet. An der Außenwand sind drei Symbole zu sehen, welche ganz deutlich die Runen Gebo und Ingwaz darstellen, das dritte ist ein Rabe und somit Symbol des germanischen Gottes Wodan/Odin. Die Schäferkapelle befindet sich in der Ortschaft Rasch, zugehörig zur Wallensteinstadt Altdorf bei Nürnberg, gelegen am Rande der Fränkischen Alb. Auffallend viele mystische Orte, die von den Germanen zu kultischen Zwecken genutzt und verehrt wurden, befinden sich in der Gegend um die charakteristischen Räthschluchten mit „Teufelskirche“ und „Teufelsschlucht“. Die Schäferkapelle steht im Schatten der sie überragenden Michaelskirche, am Hang über dem Fluss Schwarzach. Womöglich wurden die heidnischen Symbole an der Außenwand über den Fenstern zunächst toleriert und später nicht mehr als solche erkannt, sondern für bloße Schmuckformen gehalten, so dass sie erhalten blieben, beziehungsweise erneuert wurden. Ohnehin wurden zu Zeiten der Christianisierung viele heidnische Symbole von der katholischen Kirche zunächst übernommen.

Schäfer waren Naturheiler

Alleine alte germanische Symbole an der Außenfassade sind natürlich kein Beweis für eine erhaltene heidnische Kultstätte. Dafür sprechen Funde einer Grabung im Jahr 1988 für die ursprüngliche kultische Nutzung des Ortes. Es wurden Votivgaben von Pferden, Eseln, Hunden, Rindern und Schafen gefunden, sowie von Hufeisen und Figuren von Menschen in Gebetshaltungen. Votivgaben sind Gegenstände, die als symbolische Opfer oder Dankesgaben dargebracht werden. Diese sind heute im Germanischen National-Museum in Nürnberg aufbewahrt. Der Theologe und Religionswissenschaftler Ullrich Kleinhempel, Entdecker der heidnischen Kultstätte, schreibt in seiner Arbeit über die Schäferkapelle in Rasch unter anderem:

Es ist anzunehmen, dass sich Schäfer der Gegend als ein Kultverband sich zu besonderen, berufsständisch orientierten Andachten in dieser Kapelle zusammengefunden haben, mit synkretistischen Praktiken, die mit dem Fortleben von Elementen des Wodanskultes in Verbindung gebracht werden können. Solche Kultverbände als eine wesentliche Organisationsform germanischer Religion waren mit gemeinschaftlichen Riten und Festen an der Kultstätte verbunden. Die Überlieferung zur Entstehung des Namens Schäferkapelle ist im Zusammenhang mit den Votivgaben aussagekräftig. […] Schäfer bildeten in der ländlichen Gesellschaft eine besondere Subkultur. Bedingt durch ihre abgesonderte und nomadische Lebensweise waren unter ihnen auch Heiler tätig, als Kräuterheiler ebenso wie als „Besprecher“, als Geistheiler, auch wenn diese Tätigkeit ebenfalls von wohlhabenden Bauern ausgeübt wurde. […] Die Tätigkeit des Heilens durch Gebet und Handauflegung sowie durch Spruch und Kraftübertragung legt nahe, dass diese einen besonderen Bezug zu diesem Kultort hatten, der durch viele Votivgaben ausgewiesen ist, die von Heilungen und Bitte um Heilung von Vieh und Mensch zeugen. Dass die Berufsgruppen der Hirten und Jäger besonders mit Riten der Heilung an Naturorten und mit Heilung insbesondere von Vieh durch „Besprechung“ befasst waren, geht aus einem mittelalterlichen Zeugnis hervor.

Die Symbole Gebo und Ingwaz sowie der Rabe Odins an den Außenwänden

Schäferkapelle Rasch Südseite

Die über zwei Fenster stehenden Runen für Gabe („Gebo“) und für Fruchtbarkeit („Ingwaz“) drücken in ihrer Gesamtheit sowohl Bitte als auch Dankbarkeit für eine erfolgreiche Viehwirtschaft der Schäfer im Verlauf der unterschiedlichen teils harten Jahreszeiten aus. Ingwaz wird Ing, dem Erdgott zugeordnet, der auch mit dem Fruchtbarkeits- und Sonnengott Ingvi-Freyr gleichgesetzt wird. Die Kraft des Freyr wird als neutrale männliche Energie sowie als Potential der Erneuerung im Jahres- und Lebenslauf, Sexualität und Fruchtbarkeit angesehen. Gebo ist Wodan/Odin zugeordnet und bedeutet Geschenk oder Gabe. Sie ist die Rune der Verbindung, besonders der Verbindung zwischen Menschen. War bis jetzt die Reise des Schäfers durch die Rune Gebo einst ein einsame, so kommt man hier an einem Ort zusammen, um in einem Austausch mit anderen „Berufskollegen“ zu interagieren und eine Form der bewussten Beziehung zu einander herzustellen. Auch das Rabenmotiv befindet sich gut erkennbar an einem Fenster der Kapelle: Snorri beschreibt in der Edda, dass zwei Raben auf Wodans/Odins Schultern sitzen und ihm alles ins Ohr flüstern, was sie sehen und hören. Sie heißen Hugin und Munin, von ihnen erfährt er viele Neuigkeiten über die Welt.

Die bauliche Ausrichtung der Schäferkapelle

Da die Schäferkapelle an einem Hang erbaut wurde, war es vermutlich nicht möglich, diese mit der größeren Michaelskirche, Baujahr 8. Jahrhundert, komplett zu ersetzen – eine gängige christliche Gepflogenheit, um heidnische „Überreste“ zu entfernen. Was auch zu der Annahme führt, dass die Schäferkapelle kein rein christliches Vermächtnis sein kann, ist auch ihre Ausrichtung: „Wesentlich ist, dass die Achsenausrichtung der Kapelle, mit der Schauseite nach Süden, und den Reliefs der Runen und der Figur eines Raben über den Südfenstern erhalten geblieben sind. Es ist unwahrscheinlich, dass sie zu christlicher Zeit neu geschaffen worden wären“, so Ullrich Kleinhempel nach seiner Entdeckung im Jahr 2014. 1988-1989 wurde bei Grabungen des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege das in zwei Metern Tiefe liegende Ziegelpflaster entdeckt, das den ursprünglichen Fußboden bildete. Die Aufschüttung stammt wahrscheinlich aus dem 15. Jahrhundert. Unter dem alten Bodenniveau wurde Geröll gefunden, das darauf hinweist, dass hier von Anfang an ein Steinbau gestanden haben könnte. (Quelle: „Kraftplätze in Franken – Geomantischer Guide zu Kultstätten und energetischen Orten“)

Michaelskirche und Schäferkapelle Rasch bei Altdorf

Nicht nur sinnbildlich für die Verbindung zwischen Wodan und den verstorbenen Seelen dient die Schäferkapelle heute als Leichenhalle der örtlichen evangelischen Kirchengemeinde der Michaelskirche. Die Namensgebung Michaelskirche nach Erzengel Michael ist kein Zufall:

Wodan wurde durch Erzengel Michael ersetzt

Wotan/Wodan ist der althochdeutsche Name für Odin. Sein Name stammt vom Wort‭ ‬woð,‭ ‬wörtlich‭ ‬„Wut‭”‬,‭ ‬das aber ursprünglich einen Zustand geistig-seelischer ‬Begeisterung, Ekstase und des höheren Bewusstseins bezeichnet. Durch sein Wissen und seine Weisheit, die er durch seine vollbrachten Selbstopfer erfahren hatte, kennt er das Schicksal der Menschen. ‬Er ist Magier,‭ ‬Seher,‭ ‬Heiler,‭ ‬Dichter und Entdecker der Runen.‭ ‬Da er bei den Germanen auch der Gott des Todes, Führer der Totengeister und Beherrscher des Krieges ist, wurden Parallelen zum christlichen Erzengel Michael hergestellt. Vorchristliche Riten, Kulttorte und auch Gottheiten der Germanen wurden damals kurzerhand durch christliche Begrifflichkeiten und Heilige ersetzt, wobei Erzengel Michael hervorragend zu den Tributen Wodans passt. Der Heilige Michael wurde seit der siegreichen Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955 gegen die Ungarn zum Schutzpatron des Ostfrankenreichs und später Deutschlands erklärt. Erzengel Michael gilt als der Fürst der himmlischen Heerscharen und wird als Patron der Soldaten und Krieger verehrt. Beide, Wodan als auch Erzengel Michael hatten also einen engen Bezug zu den Seelen der Toten.

[…] Hier ersetzte er die Verehrung des germanischen Gottes Wotan. […]. Unter den vielen dem Heiligen Michael geweihten Bergkirchen werden oft alte Kultstätten für Wotan vermutet. Sein Patronat für das Fränkische Reich setzte sich über das des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation bis in unsere Tage fort, wo er als Schutzheiliger Deutschlands (»der deutsche Michel«) angesehen wird. […] Quelle: Urban, Albert (Hrsg.), Art.: „Michael“, in: Lexikon der Heiligen und Namenstage, Freiburg i.B., 2010: HerderVerlag, loc.


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Weitere Merkmale für eine heidnische Kultstätte sind der Grundriss der Kapelle, der sich erheblich von der Grundform romanischer Kirchen unterscheidet sowie der altkirchlichen Basilika-Form mit ihrer liturgischen Symbolik. Ebenso führt Ullrich Kleinhempel die Erhaltung der Schäferkapelle als Vorgängerbau der Michaelskirche mit seinem alten Grundriss und den Ornamenten aus Gründen der Statik an, sowie die Lage des Kirchenkomplexes auf einem Kirchenberg über dem Fluss. Für ihn gibt es keinen Zweifel, „dass die Schäferkapelle im Wesentlichen die Gestalt und Ornamente eines heidnischen germanischen Tempels bewahrt hat“.

Im Buch „Kraftplätze in Franken – Geomantischer Guide zu Kultstätten und energetischen Orten“ wird von einer Begebenheit an einem strahlenden Herbsttag berichtet, die bei der erneuten Weihe der Kapelle statttfand. Eine Blaskapelle spielte vor der Kapelle, als plötzlich eine heftige Windbö durch die Bäume fuhr und Eicheln herabschüttelte, die den Bläsern in die Instrumente fielen, so dass einige davon beschädigt wurden. Sollte sich der alte Sturm- und Totengott Wodan etwa eingefunden haben, um seine Kräfte spielen zu lassen?

Südliche Fassade der Schäferkapelle

Persönliche Schlussgedanken

Die Tatsache, dass sich die Schäferkapelle in meiner Heimat befindet, ließ mich doch erstaunen, als ich in dem hochinteressanten Buch „Kraftplätze in Franken“ erstmals von der heidnischen Kultstätte in Rasch erfuhr. Auf meinen zahlreichen Wanderungen habe ich die Schwarzach oft passiert, an jener Stelle auf dem hölzernen Steg, an der die unscheinbare, ja gar hässliche Schäferkapelle gut einsehbar ist. Jedoch hatte ich ihr nie meine Aufmerksamkeit geschenkt, so herrlich ablenkend sind die dort herrschende mystische Atmosphäre und malerische Landschaft. Auch als ich die Schäferkapelle besuchte, wehte ein starker Wind um die Gemäuer, so, als würde Odin das Tor zu den verstorbenen Seelen bewachen, dort oben auf der Anhöhe über den wildromantischen Flussauen.

Es überrascht nicht, dass Denkmalpfleger sowie Evangelische Kirche den Ursprung als eine heidnische Kultstätte in einem knappen Statement dementierten (sonntagsblatt.de). Umso mehr möchte ich dem Entdecker Herrn Ullrich Kleinhempel für seine Recherchen, seine Publikation und seinen Mut danken, der aufzeigen konnte, dass der Geist unserer Vorfahren in unserer schnelllebigen Zeit nach wie vor sehr lebendig ist.

© Alex Miller / germanen-magazin.de

Quellen und weitere Infos:
Kompletter Forschungsbericht von Ullrich Kleinhempel:
www.academia.edu/12207972/_Die_Sch%C3%A4ferkapelle_in_Rasch_ein_Heiligtum_des_Wotan_der_Gefjon_und_des_Ing_Zu_Ikonographie_Baugeschichte_und_Kulttradition_eines_heidnischen_Tempels_-_previously_posted_as_Paganism_and_Christianity_in_Franconia_
www.vfgh.de/odin-vater-der-goetter-und-menschen/

Bilder: germanen-magazin.de


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4 Kommentare zu Die Schäferkapelle in Franken: Erhaltene heidnische Kultstätte

  1. Sehr geehrter Herr Miller,
    dass ich Ihnen als religionsgeschichtlich Interessiertem eine Entdeckung in Ihrer Heimat bereiten konnte, freut mich. Haben Sie vielen Dank für Ihre Wertschätzung meiner Artikel zu dieser Kapelle.
    Auf einen Punkt in Ihrer Zusammenfassung würde ich jedoch gerne eingehen: Zu heidnischen Religionen gehört meist eine gute Ausgewogenheit von männlichen und weiblichen Gottheiten. Das Kräfteverhältnis zwischen ihnen kann wechseln und sich ändern, je nach Umständen. Es ist jedoch auch in der germanischen Religion vorhanden. Siehe meine Beiträge zur Frau Holle Verehrung in Unterfranken: die „Holde“ ist natürlich ein ziemlich respektvoller umschreibender Ehrentitel, indem jedermann wusste, dasss sie auch ziemlich „unhold“ werden konnte, wenn sie jemanden unwürdig fand und strafen konnte, wie das Märchen sehr deutlich macht. Ein anderer ehrenvoller umschreibender Titel einer germanischen Hauptgöttin ist: „die Gebende“, kurz „Gefion“ für Frija /Freya. (Ob mit Freya udn Frija dieselbe oder zwei verschiedene Göttinnen gemeint ist, ist in der Diskussion: womöglich haben sich hier zwei Aspekte der Göttin regional verselbständigt.) Sie wurde bei den Elbgermanen, den späteren süddeutschen Stämmen, hoch geehrt. Der gesamte religionsgeschichtliche Befund an dieser Kapelle – besonders die spätere Verehrung der „drei heiligen Maderln“ der Nothelferinnen in der Michaelskirche – sowie die Lage an der Schwarzach – legen es nahe, dass hier neben Wodan und Freyr auch Gefion verehrt wurde. Im 2. Merseburger Zauberspruch wirkt sie ja als Freya zusammen mit Wodan bei der Heilung des verletzten Pferdes. (In meinem langen Artikel ist die Beweiskette aufsgeführt.)
    Vielleicht ist diese Göttin und die weibliche Seite der germanischen Götterwelt für einen künftigen Artikel interessant. Von Tacitus wissen wir ja, dass die Germanen „Manns genug waren“, ihre Frauen hoch zu ehren. Das war in der Götterwelt wohl nicht anders.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ullrich Kleinhempel
    P.S.: der zweite Band der Kraftplätze ist in Vorbereitung.

  2. Sehr geehrter Herr Kleinhempel,
    vielen herzlichen Dank für Ihren Kommentar und Ihre weiterführenden Ergänzungen. Frauen wurden sehr verehrt bei den Germanen und wie Sie schreiben, war dies in der Götterwelt genauso. Ich werde mich den Göttinnen demnächst widmen, mich einlesen und etwas tiefer eintauchen in ihre Bedeutung für die Germanen – alsauch die Bedeutung der Göttinen unserer Tage.

    Übrigens sind Sie hier sehr gerne eingeladen für Gastartikel. Hierfür können Sie mich jederzeit gerne kontaktieren. Würde mich sehr freuen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Alex Miller / germanen-magazin.de

  3. Sehr geehrter Herr Miller,
    habe gerade meiner Frau von Ihrem Artikel berichtet.
    Ergänzend könnte man anführen, dass die drei Symbole über den Fenstern der Kapelle auf derselben systematischen Ebene anzusehen sind, wenn sie denn bedeutsam sein sollen, d.h. alle drei als Zeichen von Gottheiten. Damit wäre die Rune „Gebo“ nicht ein Verweis auf eine Funktion Wodans, denn sonst müsste die Rune Inguz auch eine Funktion darstellen, sondern eben eine Rune für Gefion, die „Gebende“.
    Die beiden Runen als Götter-Zeichen zu lesen verstärkt die Annahme, dass der Rabe auf Wodan verweist – was wiederum durch den Namen „Michaelskirche“ begründet ist.
    Es ist durchaus spannend, aus solchen „Puzzle-Teilen“ ein Gesamtbild zusammenzusetzen. Wenn’s dennn gelingt, ist es wunderbar.
    Wirklich magisch ist, dass man dabei manchmal durch „Zufälle“ geführt wird. Die Geschichte von der erneuten Weihe der Schäferkapelle und der Sturmbö, die Eicheln in die Blasinstrumente prasseln ließ, hat mir Pfarrer Gerhard Böck erzählt, der mir auch von der archäologischen Grabung berichtete. Ihm habe ich entscheidende Hinweise und Materialien zu verdanken. Was mir an Pfr. G.Böck gefällt ist, dass er seine persönliche Frömmigkeit, die manche als „charismatisch“ bezeichnen (wenn nicht belächeln) würden, mit Respekt für den Glauben der heidnischen Germanen verbindet – und mit einer Leidenschaft für Archäologie, die er „vererbt“ hat. (Solche Weite bringen längst nicht alle auf: Manche haben sich schon vorgestellt, dass künftig ganze Heerscharen von (Neu-)Germanen zur Schäferkapelle pilgern, was angesichts der Zukunftssorgen in meiner evangelischen Kirche durchaus mit gewissen Konkurrenz-Ängsten verbunden ist. Das findet keine Religionsgemeinschaft lustig.

    Heilige Orte haben indes ihr Eigenleben, und ihre eigene „Botschaft“, die man vernehmen kann – und die man achten sollte, auch wennn sie sich einem selbst nicht erschließt.
    Es gibt dazu eine schöne Geschichte in der Bibel, im Alten Testament, die seit jeher symbolisch verstanden wird und die somit auch auf andere heilige Orte verweist.
    Sie steht im 1. Buch Mose / Buch Genesis, Kapitel 28, V. 10-19:
    Hier legt sich der Held, Jakob,auf seiner Wanderschaft, genauer: auf der Flucht, an eine „Stätte“, zum Schlafen nieder.
    Diese war womöglich eine alte Kultstätte, indem sie einen vor-israelitischen Namen hatte.
    Nachts träumt er von einer Leiter, die bis zum Himmel reicht. Engelswesen gehen auf ihr hintunter und hinauf.
    Am Morgen aufgewacht, überkommt ihn Furcht, dass er nicht erkannte, dass hier eine Gottheit wohnte(V. 17):
    „Furcht überkam ihn, und er sagte, Wie erfurchtgebietend ist doch dieser Ort! Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes und das Tor des Himmels. Jakob stand früh am Morgen auf, nahm den Stein, den er unter seinen Kopf gelegt hatte, stellte ihn als Steinmal auf und goss Öl darüber.“
    So sind wohl viele heilige Orte in alter Zeit entstanden, indem jemand dort eine Erscheinung einer Gottheit hatte, sei es im Traum oder auf andere Weise.
    Den so erkannten heiligen Ort weihte man.
    Daraus konnnte sich ein Schrein oder sogar ein Tempel entwickeln.
    Mit der Schäferkapelle in Rasch wird es nicht anders gewesen sein. Dass Sie und viele andere an diesem Ort einen „Zauber“ spüren, der sich auch in Natur-Erscheinungen kundgibt, spricht dafür.

    Haben Sie vielen Dank für Ihre Einladung! Schreiben Sie mir, wenn ein Thema ansteht.

    Mit herzlichen Grüßen
    Ullrich Kleinhempel

  4. Sehr geehrter Herr Kleinhempel,
    ich finde es sehr verbindend, wenn christiche Menschen wie besagter Pfarrer G.Böck Respekt für den Glauben der heidnischen Germanen ausdrückt. Er hatte aufgrund seiner Berichte große Anteile an Ihrer Entdeckung, wunderbar! Ohnehin leben wir in einer Zeit, in der wir das „Verbindende“ entdecken dürfen, anstatt Menschen in Schubladen zu stecken. Ihre Entdeckung spricht hier wunderbar dafür, dass es eben auch geht, wenn man „offen“ durchs Leben geht und die Erfahrungen anderer Menschen (oder eben unserer Vorfahren) ehrt und respektiert.

    Ab dem Moment, an dem man einen Entschluß fasst, passieren oft die magischsten Dinge, wie von selbst, nicht erklärbar – aber erfühl- und erfahrbar.

    Themen stehen eigentlich immer an, ich bin offen für sämtliche Ideen! :)

    Herzliche Grüße
    Alex Miller

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